Betrachten wir den Mechanismus hinter dieser Sensibilität genauer. In Ihrem Gehirn gibt es ein Gen namens 5-HTTLPR (das Serotonin-Transporter-Gen). Dieses Gen kommt in zwei Versionen vor: einem „Langtyp" (L) und einem „Kurztyp" (S). Sie tragen die S-Typ-Tendenz, was bedeutet, dass weniger Serotonin-„Transportfahrzeuge" verfügbar sind. Da weniger Fahrzeuge Serotonin aus den Lücken zwischen den Neuronen aufsammeln, verweilt die Chemikalie länger – und dreht die Lautstärke Ihrer sensorischen Erfahrung auf.
Diese Eigenschaft überschneidet sich mit dem, was die Psychologin Dr. Elaine Aron als Hochsensible Person (HSP) bezeichnet. Neuere Forschung verwendet jedoch einen präziseren Begriff: „differentielle Empfänglichkeit". Der faszinierende Punkt ist, dass dies nicht einfach eine Verletzlichkeit ist. In unterstützenden Umgebungen blühen Sie mehr als alle anderen auf; in harschen Umgebungen spüren Sie die Auswirkungen tiefer. Mit anderen Worten: Wie Sie Ihre Umgebung wählen, bestimmt die Qualität Ihres Lebens in außerordentlichem Maße.
Es gibt noch einen weiteren Mechanismus, den Sie kennen sollten. Ihr Gehirn hat ein besonders aktives „Default Mode Network" – eine Gruppe von Regionen, die aktiv werden, wenn Sie gerade nichts Bestimmtes tun. Dieses Netzwerk organisiert vergangene Erinnerungen, simuliert Zukunftsszenarien und führt innere Dialoge. Ihre Fähigkeit, bei einer Frage zu verweilen, statt nach einer Antwort zu hetzen, kommt von der reichen Funktion dieses Netzwerks. In einer Welt, die Geschwindigkeit verlangt, ist diese Fähigkeit, Ideen reifen zu lassen, ein bemerkenswert seltenes Talent.